Ein Liter Grillanzünder, Zeitschalter und zwei Kabelschächte genügten. Am Freitag vor einer Woche brannten nördlich von Leverkusen Signalkabel an der Hauptstrecke zwischen Köln und Düsseldorf. Fern- und Regionalzüge fielen aus oder wurden umgeleitet. Erst am Samstagabend war die Strecke vollständig repariert. Die Deutsche Bahn sprach von immensen Schäden.
Auf der linksextremistischen Plattform Indymedia erschien ein Bekennerschreiben unter dem Namen „Kommando Angry Birds“. Die Verfasser beschrieben die Tatorte und begründeten die Sabotage mit dem Artensterben und einer Ablehnung technischen Fortschritts. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen von vorsätzlicher Brandlegung aus; der Staatsschutz ermittelt. Ob das Schreiben authentisch ist und wer tatsächlich handelte, ist noch nicht abschließend geklärt.
Die Vorsicht im Einzelfall ändert nichts am Muster. Nach Recherchen von ZDFheute hat sich die Gruppe seit 2023 in acht Fällen zu Anschlägen bekannt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz nennt frühere Angriffe auf Bahninfrastruktur und verweist darauf, dass unter demselben Namen sogar Anleitungen für Brandsätze verbreitet wurden. Bereits im Juli 2025 wurde die Strecke Düsseldorf–Duisburg getroffen. Anfang 2026 scheiterte ein Anschlag auf ein Umspannwerk in Erkrath.
Der Pendler ist der Kollateralschaden
Die Ideologie behauptet, „das System“ zu treffen. Getroffen werden Menschen, die zur Arbeit, zu ihren Kindern oder zu einem Arzttermin müssen. Getroffen werden Betriebe, deren Lieferketten ohnehin unter einer maroden Infrastruktur leiden. Getroffen werden Rettungs- und Versorgungsabläufe, sobald Strom, Funk oder Bahn ausfallen. Der Verfassungsschutz weist ausdrücklich darauf hin, dass linksextremistische Täter solche Kollateralschäden billigend in Kauf nehmen.
Das ist der Punkt, an dem der Begriff Aktivismus endet. Politischer Protest sucht Öffentlichkeit, Widerspruch und Mehrheiten. Sabotage ersetzt das Argument durch Zwang. Wer einen Kabelschacht anzündet, stimmt nicht gegen Industriepolitik. Er nimmt anderen Menschen die Bewegungsfreiheit, um seine Minderheitenposition durchzusetzen.
Der öffentliche Umgang bleibt trotzdem asymmetrisch. Rechte Gewalt wird zu Recht als Angriff auf den demokratischen Staat behandelt. Bei linker Gewalt folgt oft ein sprachliches Wattepolster: „militant“, „autonom“, „radikal“. Als ob die Richtung des Bekennerschreibens die Temperatur des Feuers senkte. Der Rechtsstaat darf keine gute und schlechte politische Gewalt kennen.
Schutz braucht Priorität
Kein Staat kann jeden Kilometer Schiene lückenlos bewachen. Er kann aber bekannte Schwachstellen kartieren, Kabelschächte technisch sichern, Reparaturmaterial dezentral vorhalten und wiederkehrende Tatmuster zentral auswerten. Er kann Plattformen und Finanzierungswege im Rahmen des Rechts beobachten. Vor allem kann er linksextremistische Sabotage als das benennen, was sie ist: ein Angriff auf die Funktionsfähigkeit des Gemeinwesens.
Zur Ehrlichkeit gehört auch, den Ermittlungsstand nicht zu überschreiben. Ein Bekennerschreiben ist kein Gerichtsurteil. Doch eine Demokratie, deren Sicherheitsbehörde eine Serie beschreibt und deren Ermittler erneut dieselbe Handschrift prüfen, hat keinen Mangel an Warnzeichen. Sie hat ein Problem mit den Konsequenzen.
Fortschritt, Industrie und Mobilität sind nicht die Krankheit Deutschlands. Sie sind die Voraussetzungen seines Wohlstands. Wer sie mit Feuer bekämpft, schützt weder Arten noch Menschen. Er bekämpft den Alltag. Der Staat sollte ihn entsprechend behandeln.
Quellen
- WDR: Bekennerschreiben nach Bahnsabotage bei Leverkusen, 12. Juli 2026.
- ZDFheute: Anschläge des „Kommando Angry Birds“, 15. Juli 2026.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Angriffe auf kritische Infrastruktur.
Redaktionsstand: 19. Juli 2026. Die Authentizität des aktuellen Bekennerschreibens und die Täterschaft sind Gegenstand der Ermittlungen.